| - "Chrille, Chrille, was ist Natriumnitrit - und wie reagiert das zu
sekundären Aminen - was ist denn das überhaupt?" - "Keine Ahnung, sag mir
mal lieber, wie das mit der Ascorbinsäuresynthese war."
- "Hast du etwa auch nicht gelernt?"
- "Ach du heiliger Bimbam, das kann ja heiter werden."
- ...
Und mal wieder müssen zig
Schummelzettel ihren angestammten Platz in Hosentasche, Strumpf, Ärmel und Koffer
verlassen, um die Oxidation von Schwefel, Alkohol und isoosmotischem Kaliumhexacyanoferrat
(?) zu erklären, damit die Punktzahl irgendwie auf ein zweistelliges Niveau gehievt
werden kann.
Jede Arbeit dasselbe - wie schön sind dagegen doch die "normalen"
Chemiestunden, in denen wenigstens noch Hoffnung besteht - Hoffnung auf irgendein
Synthese- oder Farbexperiment. Es muß ja nicht gleich der Ferienversuch sein ("Wie
mische ich Kaffee mit Milch?"), es reicht schon ein
"10-Minuten-Kurzversuch", um den restlichen Verlauf der Doppelstunde zu retten.
So ein Versuch läuft grundsätzlich nach dem gleichen Schema ab: Zuerst verlangt der
Lehrer die Unterteilung in möglichst viele, möglichst kleine Arbeitsgruppen. Es bilden
sich also zwei Gruppen - die eine bestehend aus zwei Chemiefreaks, die andere aus den
restlichen 13 Möchtegern-Chemikern - die sich nun voller Elan und mit ganzem Herzen der
ihnen gestellten Aufgabe widmen.
Es dauert etwa fünf Minuten, bis sich der Erste zaghaft erhebt, verschlafen in den
Chemiekabuff trottet und zum Unwillen Herrn Niemeyers den letzen Rest Kaffee in einer
irreversiblen Magensäure-Reaktion vernichtet. Schon nach 15 Minuten steht der erste
Bunsenbrenner auf dem Tisch, nach 30 Minuten bereits die restlichen Geräte und nach 40
Minuten befindet sich sogar schon die erste Chemikalie auf ihrem Weg zum sorgfältig
präparierten Versuchstisch.
Doch dann, gerade möchte man die Reagenzien zusammenschütten, da klingelt es schon -
Halbzeit. Sofort schnappt sich jeder seine Jacke und läßt - damit auch nach der Pause
nicht unnötig Zeit vergeht - den Gashahn aufgedreht, die Schwefelsäure geöffnet und
Kopie und Original der Englisch-Hausaufgabe unbeendet auf dem Tisch liegen.
Fünf Minuten später. Es klingelt wieder. Der Spießrutenlauf in den dritten Stock
wird erneut vollzogen. Damit jetzt jeder für den eigentlichen Versuch voll wach ist, wird
reihum jedes Kursmitglied mindestens einmal mit destilliertem Wasser völlig naßgespritzt
und - damit nicht nur die Chemiker etwas davon haben - wird auch der Raucherhof von oben
sorgfältig mit Wasser überzogen. Nur so kann man sich sicher sein, daß auch kein
Unbefugter das Heiligtum der Schule entweiht.
10 Minuten später. Die Action kann beginnen:
- "Ist das hier einmolare Phtalsäureanhydridlösung?"
- "Ist doch egal - hau einfach rein."
- ...
Kurz vor Ende der zweiten Stunde ist der Versuch dann endlich beendet. Ergebnis:
natürlich negativ.
Aber, liebe Frau Fischer, nicht verzagen. Auch wenn wir nicht immer motiviert waren, so
hat die Chemie den Kursmitgliedern doch insgesamt viel Spaß gebracht. Daher gebührt auch
Ihnen ein herzliches Dankeschön für die 4 Semester lange Betreuung und Fürsorge, die
Sie den Schülern entgegengebracht haben.
Vielen Dank, Ihr LK Chemie
(gr) |