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Wahre Humanisten geben nie auf

 

"Pfuffi-Buffi"
"Kinder, so geht das nicht, das hat doch keinen Sinn!" Kam uns dieser Satz zu Ohren, war uns sofort klar, daß wir wieder einmal die härtesten Stunden der Woche zu überstehen hatten. Herr Pfuff fragte nach der zweiten Person Singular Aorist Optativ Medium von paideuo. Und es hatte ja wirklich keinen Sinn. Doch wir wurden zu harten Kämpfern. Unser Gegner war die Zeit.

Alle Fenster des Raumes wurden vor der Stunde geöffnet, denn das Schließen kostete wertvolle 30 Sekunden Unterrichtszeit. Zu unseren Kampftaktiken zählte es auch, sämtlich Stühle auf die Tische zu stellen, was denselben Zweck erfüllte. Große Glücksgefühle überkamen uns, wenn wir mal wieder auf Raumsuche gehen mußten. "Markus, sieh mal, ober Raum frei ist!" Tür auf, Klasse leer, Tür zu. "Besetzt!" Die montagliche Frühstunde hatte so viel Reiz, daß wir beschlossen, im Rotationsprinzip zu verschlafen. So setzten die 50 % der vier "Griechen", die anwesend waren, ihre ganze Hoffnung auf das Unmögliche: "Er ist nicht da!" Doch meistens kam es anders:

Er kommt herein, ordnet seine Bücher mit Wasserwaage und Lineal auf dem Tisch ("Hurra, Zeit vergeht!", großes Schweigen, denn wer konnte schon mit gutem Gewissen die Hausaufgaben vorzeigen. Jetzt hieß es, nicht auffallen, am besten den Kopf senken und ihm nicht in die Augen blicken. Falls es einen dann doch erwischte (die Chance war bestenfalls 1:4) war man schlecht beraten, wenn man die Stammformen nicht wie ein Lied aufsagte und gleichzeitig wild mit den Fingern fuchtelnd die Akzente in die Luft malte.

Kalt erwischte uns auch immer wieder die Frage nach den historischen Daten des Peloponnesischen Krieges. Auch nach vier Jahren war die einzige Reaktion ein "Schweigen im Walde".

Die Spitze der Grausamkeit bildeten jedoch die Klausuren. Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder sah Herr Pfuff sich Urlaubsdias aus Mykene an, wobei er den Kopf nach rechts wandte und das linke Auge schloß, so daß man ungestört die Stell in der Kladdsche suchen konnte, oder man war völlig aufgeschmissen. Trat letzteres ein, folgte die obligatorische Frage: "Axel, warum warst du so nervös, du kannst es doch eigentlich?" Was sollte man da sagen? Die Wahrheit? Nein, die war zu hart, denn für Abschreiben aus der Kladdsche bekam man schließlich kein Graecum.

Eine einmalige Erfahrung war es dann auch, Sätze die eigentlich einen zusammenhängenden Text ergeben sollten, es aber nicht taten, interpretieren zu dürfen. Da war Kreativität gefragt.

Ein ganz eigenes Kapitel bildet jedoch unsere Regensburg-Fahrt. Mann stelle sich vor, der Lehrer betritt den Schlafraum, findet einen Schüler vor, der wie ein Käfer auf dem Rücken liegt und lacht, wird gleichzeitig von einem anderen in den Arm genommen und "Pfuffi-Buffi" getauft, während ein dritter verkündet er werde jetzt eine Banane "auf ex" essen. Am nächsten Morgen wird einem dann mitgeteilt, daß der Lehrer sich sehr an die Märchen "Rapunzel" und "Aschenputtel" erinnert fühlte (???) und daß das halbe Bier am Vorabend wohl doch zu viel für uns gewesen sei. Was sagt man dazu?

Aber Herr Pfuff, nicht verzagen, auch wenn nur vier der anfangs neun die Tortur überlebt haben, so hat es diesen Vieren doch immer wieder Spaß gemacht. Jedenfalls hatte keiner Grund, wie Sokrates zum Schierlingsbecher zu greifen. Jeder weiß: Was nicht tötet, härtet ab, und so würden wir Griechisch wieder wählen. Echte Humanisten lassen sich schließlich von nichts einschüchtern.

PS: Was heißt eigentlich paideuo?

(aw + mf)