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Das Interview

 

Worte, die nie gefallen sind, aber so hätten fallen können.

Ein Interview mit H.-M. Hardt, Lehrer an unserer Schule und nebenbei bedeutender deutscher Großindustrieller.

Dies sind Auszüge aus einem Interviews mit Herrn Hardt, das vom deutschen Manager-Magazin zum Anlaß seiner Kürung als "Manager des Jahres '91" geführt wurde.

Herr Hardt, es ist selten, daß ein so begnadeter Jurist und Wirtschaftler wie Sie den Lehrerberuf bekleidet - was sind Ihre Gründe hierfür?

Ich bin ein ideologisch veranlagter Mensch und wollte den Schülern die Möglichkeit geben, eine obere Führungskraft mal etwas näher kennenlernen zu können.

 

Es wird allerdings gemunkelt, daß es auch Schüler gibt, die von ihrem Unterricht nicht so begeistert sind. Wie erklären Sie sich das?

Das sind wenige Ignoranten, die nicht so klug sind wie wir (ein Lächeln zieht über das Gesicht des Meisters, d. Red.). Meine Unterrichtsmethoden sind nämlich einfach genial:

Sofort nach dem eintreffen in die Klasse schließe ich die Tür ab, damit die Schüler, die etwas zu spät kommen, mal in Ruhe über ihr törichtes Verhalten nachdenken können.

Dann mache ich meinen ersten Witz, über den alle Schüler herzhaft loslachen, frage die Hausaufgaben ab und erzähle Insidergeschichten aus der deutschen Wirtschaft. Mit übersichtlichen Tafelbildern wird die hochkarätige Information dann untermauert. Mein Trick ist hierbei, daß ich über intelligente Abkürzungen möglichst viel Grafik und wenig Text auf der Tafel unterbringe. Zum Beispiel steht I.H. für "International Handelsbeziehungen" oder H.A.R.D.T. für "Holländisches Auslands-Recht beim deutschen Tabak". Die Bedeutung der Abkürzungen liegt ja auch auf der Hand.

Zwischendurch kommen immer wieder lustige Sprüche über Schüler aus dem Kurs, die diese so richtig motivieren. Eine kleine Kostprobe: "Fräulein ..., Sie wollen Jura studieren - dann müssen Sie aber erst das logische Denken lernen." Das stärkt so richtig das Selbstbewußtsein.

Man sagt, daß Sie aus einer einflußreichen Volkspartei ausgetreten sind, da sie dort nicht ernst genommen wurden und nach einer gewissen Zeit auch in kein Amt mehr gewählt worden sind. Können Sie uns hierüber etwas mehr erzählen?

Also, wissen Sie: Die Politik ist ein schmutziges Geschäft, und in einer politischen Partei bekommen immer die schlechtesten Leute die verantwortungsvollsten Ämter. Nach einer gewissen Zeit hat mir das so gestunken, daß ich aus der Partei ausgetreten bin; das ist richtig. Sie sehen ja an den letzten Wahlergebnissen, was das für Folgen für diese Partei hat...

Erklären Sie uns bitte noch etwas über Ihre Motive für Ihre Nebenbeitätigkeit in der Wirtschaft und über die Tätigkeit selber!

Also, nach ein paar Jahren als Lehrer konnte ich einfach nicht widerstehen, meine guten Kontakte zu den deutschen Großindustriellen zu nutzen. Meine Freunde Eddi (Edzard Reuter, d. Red.) und Charlie (Karl Otto Pöhl, d. Red.) haben mir hierbei sehr geholfen, so daß ich jetzt nebenher OFs (Oberen Führungskräften, d. Red.) den nötigen rhetorischen Feinschliff geben.

Böse Zungen behaupten, Sie würden Herrn Reuter und Herrn Pöhl nur aus dem Fernsehen kennen - aber ich kann mir nicht vorstellen, daß Sie es nötig habe, sich so in der Vordergrund zu stellen. Noch ein andere Frage: Sie sind auch öfter im Ausland?

Ja, viele Arbeiten korrigiere ich in der Abendsonne von Madrid, London oder Paris.

Erklären Sie doch bitte kurz, wie Sie ihre Arbeiten korrigieren!

Also, zuerst nehme ich die letzte Zeugnisnote des Schülers, multipliziere diese mit der Anzahl der Seiten und teile das Produkt durch 1/10 meines Blutdrucks. Anschließend verteile ich willkürlich rote Kringel auf jeder Arbeit, damit der Schüler das Gefühl bekommt, ich hätte seine Arbeit auch gelesen.

Die Rückgabe erfolgt dann zwei Monate, nachdem die Arbeit geschrieben worden ist, um das Gefühl zu vermitteln, ich hätte mich wirklich mit dem Inhalt auseinandergesetzt.

Ein toller Trick. Man kann also sagen, daß diese Korrekturmethoden der Preis sind für den exzellenten Unterricht, den die Schüler bei Ihnen genießen. Könnten Sie denn am Ende der Interviews noch ein kurzes Schlußwort zu dieser Schule sagen?

Also, besonders traurig finde ich es, daß das geistige Niveau dieser Schule für wirklich gute Lehrer zu niedrig ist. So habe ich zur Zeit keinen Schüler, mit dem ich mich auf meinem intellektuellen Standard unterhalten kann. Jeden Dienstag sehne ich mich schon nach den platonischen Wochenenden mit meiner Frau. Aus diesem Grund werde ich die Schule auch für zwei Jahre verlassen. Aber die Schüler müssen nicht traurig sein. Anschließend bin ich wieder mit altem Charme und Witz voll bei der Sache.

Sehen wir Sie denn in zwei Jahren als UNO-Generalsekretär wieder?

Selbstverständlich hätte ich die Möglichkeit, diese Amt zu übernehmen, aber Javi (Javier Perez de Cuellar, d. Red.) macht seine Sache trotz einiger Fehler ganz gut, so daß ich der deutschen Wirtschaft weiterhin zur Seite stehen werde, was bei der sich allmählich abzeichnenden Rezession für unser Land besonders wichtig ist.

Danke - im Namen des gesamten deutschen Volkes für dieses ergreifende Schlußwort und das hochkarätige Interview.

(gr)

 

 

Der große Meister spricht.
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