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Lehrer fragen - Horst antwortet
Lieber Horst,
ich wende mich an Sie in der Hoffnung, daß Sie mir als Psychologe da weiterhelfen
können, wo ich als Biologe nicht mehr weiter weiß.
Daß die Schülerschaft meine Passion für Grashüpfer und Heuschrecken nicht teilt, habe
ich noch hingenommen. Auch über die mangelnde Begeisterung an dem so oft zitierten
Birkenspanner habe ich mich nie beklagt. Aber wo kommen wir denn hin, wenn nicht einmal
das biologisch gesehen existentiell wichtige und äußerst aufschlußreiche Sozialleben
der Bienen das Interesse der Schüler wecken kann?
Diese demotivierte Haltung wird zusätzlich noch untermauert durch ein Verhalten, daß mir
leider weniger eine erlernte als eine angeborene Instinkthaltung zu sein scheint.
Zunächst ist unter den Schülern eine gesteigerte motorische Aktivität, gemeinhin auch
als Appetenzverhalten bekannt, zu beobachten, das aber als solches noch nicht weiter
beunruhigend ist. Doch sobald ich mir meiner Privilegien als Biologielehrer im dritten
Stock bewußt werde, wird dies sofort als Schlüsselreiz erkannt und die Praxis, das
Fixieren des Kaffeebechers beginnt, was schließlich zu erbkoordinierten Endhaltung, der
Parole "wir wollen frühstücken", führt.
Ist dieses Verhalten nun im phylologischen Ursprung zu suchen, ist es durch Mutationen zu
erklären oder sind dafür am Ende gar ökologische Umwelteinflüsse verantwortlich?
Bitte geben Sie mir einen Rat, wie diesem Phänomen zu begegnen ist, da ich selbst im
dtv-Atlas keine Antwort gefunden habe!
Herr K.-H. B. aus H.
Horst antwortet:
Lieber Karl-Heinz,
es ist wirklich traurig zu hören, welche Zustände in Ihrem Unterricht herrschen. Da
müssen Sie natürlich Gegenmaßnahmen ergreifen. Sie sollten sich daher die modernen
Möglichkeiten unseres technischen Zeitalters zunutze machen und in noch verstärkterem
Maße als bisher aktuelles Videomaterial zur Auflockerung des Unterrichtsstoffes
einsetzen. Um die dadurch aufkommende Begeisterung noch zu steigern, sollten Sie sich
nicht scheuen, den in Fachkreisen überaus geschätzten LINDER (Tip: Es ist gerade eine
sorgfältig überarbeitete Neuauflage erschienen) zu Rate zu ziehen, um den Unterricht so
zusätzlich durch besonders interessante Teilaspekte zu bereichern.
Falls dies alles jedoch nicht nützen sollte, zögern Sie als hinreichend bekannter
Experte für Stammbäume nicht, Ihren wissenschaftlichen Neigungen nachzugehen und über
das von Ihnen beobachtete Phänomen ein Erbschema mehrere Schülergenerationen zu
erstellen. Aufgrund Ihrer bisherigen Beschreibung liegt zwar der Schluß nahe, daß es
sich bei der allseits festgestellten Unterrichtsmüdigkeit um ein dominant vererbtes
Merkmal handelt, aber Genetiker und Verhaltensforscher würden Ihnen für genauerer
Erkenntnisse sicher sehr dankbar sein.
Lieber Horst,
ich bin ein armes Schwein. Ich habe das Gefühl, daß mein neues Unterrichtskonzept von
den Schülern nicht ernst genommen wird. Ich habe mir nämlich überlegt, daß die
Schüler selbst Fragen stellen zu von mir ausgewählten Texten, die ich mit einer
Gegenfrage beantworte, auf die die Schüler dann mittels einer Nachfrage antworten
können, so daß ich mit einer Anfrage den Unterricht beenden kann, um in der nächsten
Stunde über eine Abfrage der gestellten Fragen die Schüler nach weiterem Befragen neu
ausfragen kann.
Das Tolle an diesem Konzept ist, daß die Schüler sich über die vielen Anregungen und
aufgeworfenen Rätsel von der Komplexität unserer Welt und von den so unzähligen
ungelösten Problemen auf unserem Globus ein Bild machen können. Die Welt ist einfach so
schlecht, der Mensch fehlerhaft, das Leben grausam, die Arbeit abscheulich und der Beruf
gemein.
Meine Klausuren im Fach Deutsch schreibe ich in meinem neuesten Konzept als
multiple-choice-Ankreuzarbeiten, da der Schüler dann nicht durch den zwanghaften Gebrauch
der deutschen Sprache von der eigentlichen Themenfrage abgelenkt wird. Warum wird mein
Konzept nicht honoriert.
Herr C.-P. P. aus H.-A.
Horst antwortet:
Sehr geehrter Herr P. aus H.-A.,
ich verstehe auch nicht, warum Ihre Schüler Ihre vorbildliche Arbeit nicht honorieren.
Dabei hat Ihr Unterricht doch bereits Weltruhm erlangt und auch Ihr zehnbändiges Epos
"Neue Konzepte für den Schulunterricht" ist in Fachkreisen allgemein anerkannt.
Die einzige Idee, die ich hätte, wäre, daß Sie zur Abwechslung etwas öfter in den
Filmraum gehen sollten. Vielleicht motiviert das die Schüler mehr, Ihren interessanten
und mitreißenden Lebensphilosophien zu lauschen. |
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